Leopold I. 1640-1705
Krönung
Die Krönung zum Kaiser kam für Leopold I überraschend: Nach dem Tod seines älteren Bruders Ferdinand 1654, der bereits als Ferdinand IV römisch-deutscher Kaiser und König von Ungarn war, übernahm der erst 14jährige Leopold gegen den Widerstand Schwedens und Frankreichs die politische Macht. Politisch völlig unerfahren und eigentlich auf eine geistliche Laufbahn vorbereitet, überließ er jedoch vorerst die Staatsgeschäfte erfahrenen Beratern wie dem Fürsten Auersperg, die ihm bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr zur Seite standen.
Außenpolitik
Leopolds Regierungszeit war außenpolitisch vor allem von dem habsburgisch-französischen Konflikt um die Hegemonie in Europa geprägt, der sich unter anderem im Holländischen Krieg, in welchem er 1672-1679 auf Seiten der Holländer gegen Ludwig XIV ins Feld zog, äußerte. Nach dem Pfälzischen Krieg 1688-1697, ebenfalls gegen Frankreich, sicherte er mit dem Frieden von Rijskwijk Habsburgs Anspruch auf die spanischen Niederlande.
Besondere Bedeutung für ganz Europa hatte allerdings der Sieg über die osmanischen Truppen bei der Zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683, der weniger durch Habsburg selbst als durch die Hilfe des polnischen Königs Johann Sobieski und Papst Innozenz VIII errungen werden konnte. Es folgte die Rückeroberung Ungarns von den Osmanen, bei der sich Prinz Eugen von Savoyen militärisch auszeichnen konnte. Mit der Besetzung Siebenbürgens und Slawoniens folgte die Grundsteinlegung für den Aufstieg der habsburgischen Donaumonarchie.
Nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II versuchte Leopold die Neugründung einer spanischen Linie mit seinem jüngeren Sohn Karl. Im Verlaufe des darauf folgenden Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714 zwischen Habsburg, den Bourbonen und Frankreich verstarb Leopold I. Er wurde 1705 in der Kapuzinergruft beigesetzt.
Innenpolitik
Obwohl Leopold I als friedliebend galt, war seine Regierungszeit auch innenpolitisch von starken Konflikten überschattet. Leopold I bekämpfte Aufstände in Ungarn und war für die Vertreibung und Zwangsaussiedlung von Juden und Protestanten verantwortlich.
Er sah seine Herrschaft als christliche Mission und sich selbst als auserwählten Diener Gottes im Geiste der Gegenreformation. Neben seinen Interessen für Kunst, Literatur und Wissenschaft (Universitätsgründungen in Innsbruck, Breslau und Olmütz) machte er sich auch als Komponist einen Namen: 79 geistliche und 155 weltliche Kompositionen sind überliefert.
Von Leopolds Regierungszeit zeugen heute zahlreiche Barockbauten wie der Neubau des Schlosses Schönbrunnes, der Bau des Leopoldinischen Traktes der Hofburg oder die Errichtung der Pestsäule am Wiener Graben. Aus dem Linienwall, der als Bollwerk zwischen Vororten und Vorstadt errichtet wurde, wurde im Laufe der Jahre der heutige Wiener Gürtel.
Familie
Leopolds Ehe- und Familienleben stand vorerst unter keinem guten Stern: Margarita Teresa, seine Nichte, die er 1666 ehelichte, verstarb früh; von ihren sechs Kindern sollte nur Maria Antonia überleben. 1673 heiratete Leopold erneut, doch auch seine neue Gattin, seine Cousine zweiten Grades, Claudia Felizitas von Tirol, verstarb früh ohne ihm den gewünschten Erbfolger geschenkt zu haben. Ihre beiden Töchter starben im Kindesalter. Erst die dritte Ehe mit Eleonore Magdalena 1676 war kinderreich. Aus ihr gingen unter anderem die Thronerben Joseph I. (regierte von 1705-1711) und Karl (regierte von 1711-1740) hervor.