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Johann Bernhard Fischer von Erlach 1656-1723

 

Johann Bernhard Fischer von Erlach war eigentlich gelernter Bildhauer - ein Handwerk, das er von seinem Vater übernahm. Durch einen vierjährigen Aufenthalt in Rom von der antiken und auch zeitgenössischen barocken Architektur fasziniert, widmet er sich jedoch bald dieser neuen Leidenschaft. Über das Erschaffen von Gartenskulpturen gelangt er schließlich zum Interesse für Gartenarchitektur, das er in Entwürfen für Gartenpalais verwirklicht. Gemeinsam mit dem Hofarchitekten Ludowico Purnacini übernimmt er 1686 nach dem frühen Tod Rauchmillers die Arbeit an der Pestsäule am Wiener Graben, die 1693 am Tag der heiligen Dreifaltigkeit vollendet wird. Einige Jahre zuvor, 1688, entwirft von Erlach utopische Pläne zum Bau des Schloss Schönbrunns für das Kaiserhaus, die in reduzierter Form 1692-1713 realisiert werden. Vom ursprünglichen Bau ist jedoch nur mehr die Schlosskapelle und die Blaue Stiege erhalten.

Daneben entwirft er die Wiener Stadtpalais der Adelsfamilien Strattmann und Trautson und erneuert beinahe sämtliche Kirchen der Stadt Salzburg. 1705 wird er zum Oberinspektor sämtlicher Hof- und Lustgebäude ernannt und setzt sich 1715 im Wettbewerb um den Bau der Karslkirche gegen Johann Lukas von Hildebrandt durch. Kaiser Karl VI hatte nach der letzten großen Pestepidemie 1713 geboten, dem Pestheiligen Karl Borromäus eine Kirche zu widmen. Sie gilt als Fischers Hauptwerk und weist Bezüge zu unterschiedlichsten historischen Vorbildern auf. So entspricht die Fassade in der Mitte, die zur Vorhalle führt, einem griechischen Tempel portikus, während die beiden Säulen Bezüge zu den Trajansäulen in Rom herstellen. In einem Spiralrelief finden sich Motive, die das Leben des Pestheiligen Karl Borromäus darstellen. Nach Fischers Tod setzte sein Sohn Joseph Emanuel das Projekt mit einigen Änderungen fort.